Nervosität? Nicht mit dieser App
Wir alle kennen sie: diese entscheidenden Momente im Leben, in denen die Stimme zittert, die Hände nicht wissen wohin und das Herz bis zum Hals schlägt. Egal ob es der Milliarden-Pitch vor Investoren ist, das Überreden der Eltern, endlich ein Schlagzeug zu bekommen oder der heimlich geplante Heiratsantrag. Genau für diese Situationen hat Anton Baranov „Pitch Coach: Sicher auftreten“ entwickelt.
Die Idee dazu brodelte schon länger in ihm. „Mit 16 habe ich mein erstes IT-Vorstellungsgespräch vor Nervosität total versemmelt“, lacht der Entwickler heute. Der finale Anstoß kam jedoch Jahre später beim Familien-Abendessen. Seine Mutter, eine Dozentin, erzählte frustriert von ihren Studenten: Fachlich absolute Spitzenklasse, aber sobald es an eine Präsentation ging, brach alles in sich zusammen – Selbstvertrauen, Körperhaltung und die Stimme. Für Anton, der ohnehin nach einem Projekt für die Apple Swift Student Challenge suchte, war dies der zündende Funke.
Der sichere Raum: keine Cloud, kein Datensalat
Wer das Sprechen übt, gibt viel von sich preis. Es ist intim, fehlerbehaftet und extrem persönlich. Ein zentraler Pfeiler von „Pitch Coach“ ist daher der kompromisslose Fokus auf Datenschutz. „Ich möchte einen absolut sicheren Raum schaffen“, erklärt Anton. Die App analysiert Sprechtempo, Füllwörter und sogar die Körperhaltung in Echtzeit – komplett offline.
Dafür greift „Pitch Coach“ auf lokale Apple Intelligence und die Sensordaten der AirPods zurück. „Keine Cloud, kein Datensalat“, betont Anton. Alles bleibt zu 100 % lokal auf dem Gerät. Für iPhones, die Apple Intelligence (noch) nicht unterstützen, hat er clevere Fallbacks eingebaut: Die App bringt in diesem Fall eigene, lokal laufende Custom-Modelle mit, um die Funktionalität zu gewährleisten.
Von kniffligen Basteleien und der Zukunft des Codens
Was für den Nutzer spielend leicht aussieht, war unter der Haube harte Arbeit. Die größte technische Hürde bei der Entwicklung? „Das präzise haptische Feedback“, erinnert sich Anton. Die Vibrationen direkt während einer laufenden Live-Audioaufnahme sauber auszugeben, entpuppte sich als knifflige Bastelei. Auch die Fragmentierung – also die Tatsache, dass Apple Intelligence je nach Gerät, Region oder Sprache längst nicht bei jedem aktiv ist – war eine echte Produkt-Herausforderung, die er mit den erwähnten lokalen Modellen elegant löste.
Wenn es um seinen eigenen Entwickler-Alltag geht, mag es Anton überraschend minimalistisch. Seine Toolchain besteht aus Figma für das Design, Xcode fürs Coding, Fork als Git-Client und natürlich GitHub. „Ich habe aktuell nur drei Abos: mein Handy, das Fitnessstudio und Claude Pro“, erzählt er grinsend.
Besonders das Thema Künstliche Intelligenz verändert seinen Workflow rasant. Während er in Xcode das Predictive Coding für Kleinigkeiten nutzt, holt er Claude Pro für „fiese Fehler“ dazu. Anton geht es dabei weniger um faules Copy-Paste, sondern darum, logische Probleme zu lösen und smarte Abstraktionen im Code zu bauen. Seine Prognose für unsere Zunft ist eindeutig: „Spätestens 2028 schreiben wir kaum noch rohen Code. Wir steuern komplexe Abstraktionen. Der Fokus wandert komplett zu Systemarchitektur, Performance-Reviews und schnellen Kontextwechseln bei hohem Feature-Output.“
Ein Ansatz, der offensichtlich funktioniert. Im Juni durfte Anton seine App beim Apple Event direkt vor den Tech-Größen Tim Cook, John Ternus, Craig Federighi und Susan Prescott präsentieren. Seit diesem Moment schossen die Downloadzahlen durch die Decke – auf mittlerweile über 70.000 Installationen. Ein Pitch, den er mit Sicherheit vorher nicht versemmelt hat.
Pitch Coach: Sicher auftreten
Entwickler: Anton Baranov
Kategorie: Bildung / Produktivität
Preis: kostenloser Download (In-App-Käufe für Premium-Funktionen möglich)
Downloads: Über 70.000 weltweit
Wenn er nicht an seiner eigenen App arbeitet, sind das Antons Favoriten:
Sofascore
„Die interaktiven Tools sind visuell und funktional perfekt gelöst – etwa die 2D-Darstellung von Elfmetern oder Spieler-Heatmaps.“
Not Boring Camera
„Manchmal hat man einfach Lust auf etwas Unterhaltsames. Ich feiere ihr Konzept, weil es Alltags-Tools komplett neu und kreativ denkt.“
Notizen & Erinnerungen
„Minimalistisch, einfach und nichts Überflüssiges. Beide Apps tun genau das, was sie sollen.“

Journalist. Entwickler. Schlagzeuger. Beim Chris verschwimmen die Grenzen zwischen Text, Takt und Quellcode. Wer bereits in den 90ern die Tech-Szene journalistisch prägte und später als stellvertretender Chefredakteur der Macwelt den Ton angab, könnte sich eigentlich auf seiner Expertise ausruhen. Chris tut das Gegenteil: Er baut kurzerhand eigene SwiftUI-Benchmarks (APSI-Bench), um Apple Silicon Chips ans Limit zu treiben.
Als ausgewiesener HiFi-Nerd und langjähriger Audio-Redakteur liebt er analoges Vinyl – und entwickelt ironischerweise die passenden Einmess-Tools fürs iPhone selbst. Ob Vibe-Coding in der Nacht, am Mischpult bei Live-Konzerten oder hinter den Drums seiner Rockband: Chris hat ein feines Gespür für das perfekte Timing. Bei der Mac Life sorgt er ab sofort für den richtigen Groove in den Artikeln. Denn er ist ein Redakteur, der die Apple-Welt nicht nur kommentiert, sondern sie sich selbst kompiliert.
→ Weitere Artikel von Chris Möller
→ Chris Möller ist Redakteur bei AUDIO+stereoplay








